Aufräumarbeiten auf ehemaligem Kynast-Gelände in Quakenbrück haben begonnen

Etwa zwei Wochen könnte es dauern, bis die Brandruine an der Artlandstraße in Quakenbrück geräumt ist. Foto: Björn Thienenkamp

Seit einigen Tagen beseitigt eine Fachfirma im Auftrag des Landkreises Osnabrück jede Menge Müll und Schrott, der nach einem Großbrand im Januar 2020 in einer Lagerhalle der früheren Quakenbrücker Firma Kynast Steel übrig geblieben war. Foto: Björn Thienenkamp

Quakenbrück. Neun Monate nach dem Großbrand auf dem Gelände der früheren Firma Kynast Steel an der Artlandstraße ist mit der Beseitigung der Überreste begonnen worden. Jede Menge Unrat und Teile der Gebäudehülle müssen entsorgt werden. Die Arbeiten hat der Landkreis Osnabrück in Auftrag gegeben, in dessen Zuständigkeit sie fallen.

Die Brandschadensberäumung – so heißt das im Amtsdeutsch – auf dem Gelände hat in dieser Woche begonnen, teilt die Samtgemeinde Artland auf Anfrage unserer Redaktion mit. Die Firma Dallmann aus Bramsche erhielt vom Landkreis Osnabrück den Auftrag, sie hatte sich an der Ausschreibung der Arbeiten beteiligt und den Zuschlag erhalten. Die Firma ist inzwischen mit Bagger und Containern angerückt, um die Hinterlassenschaften zu beseitigen.

Arbeiten sollen zwei Wochen dauern

Innerhalb von zwei Wochen könnte alles abgeräumt sein, sagt Franz-Georg Gramann, stellvertretender Leiter des Fachbereichs Ordnung in der Samtgemeindeverwaltung. Wie teuer die Entsorgung wird, konnte er auf Nachfrage allerdings nicht sagen. „Die Kosten der Brandschadensberäumung werden auf einen hohen fünfstelligen Betrag geschätzt“, hatte er aus der Kreisverwaltung erfahren.

Zu tun gibt es einiges, vor allem auch zu sortieren. Hinter dem Bauzaun, der nach dem Feuer in der dritten Januar-Woche aufgestellt wurde, türmte sich der Müll monatelang meterhoch. In den Flammen, die damals für eine beeindruckende Rauchwolke über Quakenbrück gesorgte hatten, verbrannte nicht nur ein Gabelstapler. Bereits im Sommer hatte ein Sachverständiger einen genauen Blick darauf geworfen. Demnach gingen große Mengen hausratähnlicher Gegenstände sowie Teile der Gebäudehülle in Flammen auf. Weitere Bestandteile sind Holzabfälle, Brandschutt, Mineralfaserabfälle, Metallteile, Dämmstoffe.

Schutznetz an der Gebäudefassade angebracht

Zuständig für die Entsorgung ist nach dem Abfallrecht der Landkreis Osnabrück. Dieser habe mitgeteilt, so Gramann, dass „vom aktuellen Zustand des Brandschadensbereichs keine Gefahr für die Allgemeinheit ausgeht“. Wenn der Müllberg abgetragen und der Stahlrahmenvorbau demontiert worden ist, will die Samtgemeinde Artland noch Arbeiten an den Außenwänden der Lagerhalle erledigen. „Die verbliebenen Löcher in der Gebäudefassade werden vollständig geschlossen“, teilt der stellvertretende Fachbereichsleiter mit. Das werde entweder durch den Insolvenzverwalter veranlasst oder aber im Zuge einer sogenannten Ersatzvornahme durch die Stadt Quakenbrück. Wie die Löcher verschlossen werden sollen – zum Beispiel durch ein Mauerwerk –, sei noch nicht entschieden. 

Wer zahlt für die Entsorgung?

Die Gebäudefassade entlang der Artlandstraße wurde inzwischen mit einem grünen Schutznetz gesichert. Zuvor war der Gehweg aus Sicherheitsgründen gesperrt worden, weil befürchtet worden war, das sich lose Fensterteile aus der Wand lösen und zu Boden stürzen könnten. Kreis und Samtgemeinde werden versuchen, die ihnen für Beräumung und Schadensbeseitigung entstandenen Kosten erstattet zu bekommen. Ihre Forderungen müssen sie allerdings beim Insolvenzverwalter anmelden. Die Firma Kynast Steel hatte im August 2019 Insolvenz angemeldet und war Ende 2019 geschlossen worden.

Stadtrat setzt Arbeitskreis zur Zukunft des Geländes ein

Die Brandruine und das frühere Industriegebiet an der Artlandstraße, das einst Europas größten Fahrradhersteller Kynast beherbergte, beschäftigt längst auch den Quakenbrücker Stadtrat. Der hat in seiner Juli-Sitzung einen Arbeitskreis angeregt, der sich mit der zukünftigen Nutzung beschäftigen soll. Angedacht ist, das Gelände städteplanerisch neu zu ordnen. Der Antrag der CDU, einen interfraktionellen Arbeitskreis einzusetzen, stieß auf große Zustimmung.

Einig waren sich alle Fraktionen, dass vor irgendwelchen Gedankenspielen zunächst ein Altlastenkataster erstellt werden müsse. Denn unter der ausgebrannten Lagerhalle, in der sich zu Kynast-Zeiten auch die Galvanik befand, haben Experten bereits das Wasser in den Kellern untersucht und giftige Hinterlassenschaften entdeckt. Der nicht ganz einfache Auftrag an die Stadtverwaltung lautete, die Kosten für einen Abriss der nicht genutzten ehemaligen Kynast-Hallen, für die Beräumung des Geländes und die Entsorgung der Altlasten zu ermitteln.

Text: Christian Geers

Neue Osnabrücker Zeitung