Bramscher Firma Dallmann erstellt eigenen Azubi-Knigge

Nach einhelliger Ansicht von Michael Bosse, Gerd Wördemann, Katrin Börste, Tom Winkelmann, Hilke Thomann und Markus Husslig (v.l.) ist der Azubi-Knigge für alle Seiten hilfreich. Bild: Hans Schmutte

Bramsche. Was tun bei Smileys in Geschäftsbriefen und Privathandys am Arbeitsplatz? Benimmregeln für die rund 40 Auszubildenden hat die Bramscher Tiefbaufirma Dallmann in einem eigenen "Azubi-Knigge" zusammengestellt.

Knigge, seit Jahrhunderten der Inbegriff angemessener Umgangs- und Verhaltensformen, hat in abgeänderter Form bei der Straßen- und Tiefbaufirma Dallmann aktuelle Bedeutung erlangt. Von „A“ wie Anrede, bis „W“ wie Wertschätzung sind in einem „Knigge-ABC für Auszubildende“ Verhaltens- und Benimmregeln von Katrin Börste zusammengetragen worden. Die Assistentin der Geschäftsleitung bei Dallmann in Bramsche ist allerdings überzeugt: „Der beste Knigge hilft nicht, wenn man selbst kein gutes Vorbild ist“.

Kleinigkeiten gaben den Anstoß

Dallmann ist ein alteingesessener Ausbildungsbetrieb, in dem ständig etwa 40 Auszubildende unterschiedlicher Ausbildungsberufe tätig sind, verteilt auf drei Ausbildungsjahre. Es werde für den eigenen Bedarf ausgebildet, erläutert Personalleiter Michael Bosse. Grundsätzlich würden die Mitarbeiter nach der Ausbildung übernommen. Von zufriedenen, gut ausgebildeten Mitarbeitern profitiere der Betrieb. Gerade zu Anfang ihres Berufslebens müsse man den jungen Menschen Orientierungshilfen geben, so Bosse. Dafür sei das Azubi-Knigge-ABC eine wertvolle Hilfe.

Einen konkreten Anlass, dieses Regelwerk zu erstellen gab es nicht. Immer nur Kleinigkeiten waren für Katrin Börste der Grund, bestehende Vorgaben zu dem jetzigen Knigge-ABC zu erweitern. „Junge Menschen mit 16, 17 Jahren benötigen schon mal einen Anstoß. Dazu gehören auch Benimmregeln“, weiß sie aus Erfahrung. Den Dallmann-Knigge vermittelt sie den Auszubildenden persönlich „Punkt für Punkt“, wie sie überzeugend betont.

Das Handy ist während der Arbeitszeit tabu

Gerd Wördemann, seit dem 1. Januar 2020 Dallmann-Ausbildungsleiter, und Werkstattleiter Markus Husslig sehen in dem Azubi-Knigge den großen Vorteil, dass die jungen Mitarbeiter genau wissen, woran sie sind. So ist dort zum Beispiel geregelt, dass private Handys während der Arbeitszeit tabu sind oder Krankmeldungen persönlich und nicht per WhatsApp zu erfolgen haben. Bei Fehlverhalten könne auf die Knigge-Regeln hingewiesen werden. So gebe es einheitliche Regeln für den ganzen Betrieb und Unklarheiten würden vermieden.

Keine Panik bei Fettnäpfchen und Fehlern

Unter den Stichwörtern Fehler und Fettnäpfchen etwa werden die Auszubildenden aufgefordert, nichts zu vertuschen oder in Panik zu verfallen, wenn einmal ein Malheur passiert ist, sondern alles in Ruhe mit dem Vorgesetzten zu besprechen und sich gegebenenfalls zu entschuldigen. Regeln für das bei Jugendlichen beliebte Duzen werden ebenso angesprochen wie Smileys in Geschäftsbriefen, Ordnung oder Pünktlichkeit. Ausdrücklich aufgefordert wird zur Eigeninitiative. „Egal, ob Auszubildende auf den Pförtner oder Geschäftsführer treffen, Wertschätzung ist gegenüber allen Mitmenschen zu zeigen... Eine Form der Wertschätzung ist der Blickkontakt mit dem Gegenüber“, heißt es in dem letzten Punkt des Azubi-Knigges.

Willkommene Orientierungshilfen

Keinesfalls als Bevormundung oder Gängelung empfinden zwei Betroffene das Regelwerk. Für Hilke Thomann, Auszubildende Industriekauffrau im dritten Ausbildungsjahr und Tom Winkelmann, Land- und Baumaschinenmechatroniker im zweiten Ausbildungsjahr, sind die meisten der aufgeführten Benimmregeln zwar selbstverständlich, andere Anweisungen wie das richtige Verhalten bei Telefonaten oder Erkrankungen sind für sie willkommene Orientierungshilfen. 

In den nächsten Wochen werden einige Auszubildende bei der IHK zu Ausbildungsbotschaftern ausgebildet. Sie sollen dann Ansprechpartner für neue Auszubildende sein, aber auch zum Beispiel in Schulen für Ausbildungsberufe werben.

„Die Regeln im Azubi-Knigge-ABC gelten natürlich nicht alleine für die Auszubildenden. Sie werden von allen Firmenangehörigen gelebt und gehören zur Firmenphilosophie“, betont Katrin Börste.

Text Hans Schmutte