Corona: Schutzmaßnahmen verändern Arbeitsalltag in Nordkreis-Firmen spürbar

Auch für die Belegschaft beim Straßen- und Tiefbauer Dallmann aus Bramsche gelten umfangreiche Hygienevorgaben. Foto: Archiv/Marcus Alwes

Bramsche. Das Bemühen, die Ausbreitung des Coronavirus zu verlangsamen, verändert auch im Nordkreis in vielen Unternehmen den Arbeitsalltag gravierend. Egal, ob Bramsche, Rieste oder Wallenhorst: Überall werden intern umfangreiche Vorsichtsmaßnahmen ergriffen. Die Botschaften über die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise fallen dagegen von Betrieb zu Betrieb sehr unterschiedlich aus.

Dort, wo noch gearbeitet werden kann und darf, heißt es: Beschäftigte werden ins Home-Office in den eigenen vier Wänden geschickt. Bislang große Teams werden in kleinere Einheiten aufgeteilt. Die Desinfektionsmaßnahmen in Betrieben werden intensiviert, und die räumlichen Abstände zwischen vielen Arbeitskollegen werden vergrößert.     

"Die Installation zusätzlicher Desinfektionsspender wurde veranlasst, und alle Kolonnen und Fahrzeuge wurden ebenfalls mit Desinfektionsmitteln ausgerüstet", sagt Katrin Börste. Die Assistentin der Geschäftsführung beim Bramscher Straßen- und Tiefbauunternehmen Dallmann verweist zudem auf eine reduzierte Zahl an Terminen und internen Besprechungen. "Unsere Werkstatt-Mitarbeiter arbeiten derzeit im wöchentlichen Wechsel, um Kontakt untereinander zu vermeiden und im Notfall vorerst handlungsfähig zu bleiben", sagt Börste. Es sei ferner angeordnet worden, dass es keinen Begegnungsverkehr der Kolonnen auf dem Betriebshof geben solle.

Die Dallmann-Sprecherin könnte ihre Aufzählung noch fortsetzen. Die rund 400 Beschäftigten beim traditionsreichen Straßenbauer wurden über die Vorgaben in der Regel schriftlich informiert. "Außerdem wurde den Mitarbeitern angeboten, bei Problemen mit der Kinderbetreuung einige Tage frei zu nehmen, bis eine Lösung gefunden wird", erklärt Börste.

Grimme: Begegnungen beim Schichtwechsel vermeiden

Jürgen Feld berichtet bei Grimme in Damme und im Niedersachsenpark bei Rieste von ganz ähnlichen Maßnahmen. Selbst die Pausen im Werk des international agierenden Landmaschinenherstellers "haben wir strikt aufgeteilt", sagt der Pressesprecher. Das gelte auch für die Werkskantine. "Zwischen den Schichtübergängen ist eine freie Zeit eingetaktet, um Begegnungen zu vermieden. Auch kleinere Meetings sind mittlerweile untersagt und werden über Skype, Telefon oder Mail geführt", ergänzt Feld. Mitarbeiter erhalten zudem kostenlos Getränke, "da die Zunahme von Flüssigkeit in der jetzigen Situation umso wichtiger ist".

Rund 2700 Mitarbeiter hat Grimme augenblicklich weltweit. Deutlich mehr als die Hälfte arbeitet allein in Damme und Rieste. Viele dieser Mitarbeiter haben Familie. "Mütter und Väter, die ihre Kinder betreuen müssen, bekommen von uns natürlich jede Unterstützung", sagt der Pressesprecher.

"Risiko-Splitting": Trennung der Mitarbeiter bei Schütte

Die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise seien bei Grimme "noch nicht absehbar. Bis dato haben wir einen guten Auftragseingang und die Produktion läuft", teilt Jürgen Feld mit. Das könnte auch die Botschaft von Björn Schütte sein. Der Geschäftsführer des Sanitär-Großhandels aus Wallenhorst berichtet, sein Unternehmen sei "noch gut ausgelastet". Schütte beliefert mit seinen rund 160 Beschäftigten unter anderem viele Baumärkte im Inland. "Noch ziehen unsere Kunden", sagt der Geschäftsmann. Ob es dauerhaft so bleibt, könne er nur abwarten. Man müsse von Tag zu Tag schauen.

In der Schütte-Belegschaft arbeiten einige Angestellte inzwischen im Home-Office. Das gelte insbesondere für die Mitarbeiter aus Büro-Jobs. Der andere Teil aus diesen Abteilungen komme hingegen weiter in die Firma. Der Geschäftsführer nennt diese räumliche Trennung "ein Risiko-Splitting". Ziel sei es, auch im Fall von Corona-Erkrankungen als Betrieb arbeitsfähig zu bleiben.

Weiterhin positiv sind auch die Botschaften aus den Geschäftsräumen der Heytex GmbH in Engter. "Wir erwarten keine Beeinträchtigungen in der Rohmaterial-Beschaffung. Es ist alles da, was wir zum Produzieren benötigen. Wir sind voll lieferfähig", verkündet die Geschäftsführung um Hans-Dieter Kohake in einem Newsletter an Kunden und Partner. "Wir beobachten genau die internationalen Entwicklungen und haben umfangreiche Schutzmaßnahmen für unsere Mitarbeiter ergriffen", heißt es beim Hersteller Technischer Textilien weiter. Heytex sei in der Lage, "in gewohnter Qualität zu produzieren".

Kurzarbeit bei Tapeten Rasch nicht ausgeschlossen

Sorgenvoller sind da schon die Mienen beim traditionsreichen Bramscher Tapetenhersteller Rasch. "Die Auswirkungen der Corona-Krise für uns sind noch nicht abzusehen", betont Geschäftsführer Frederik Rasch mit Blick auf den bisher stabilen deutschen sowie den teilweise zum Erliegen gekommenen Markt im westeuropäischen Ausland. Das Unternehmen mit allein rund 350 Beschäftigten in der Gartenstadt sei aber handlungsfähig. Die Belegschaft werde "täglich über Aushänge, im Intranet und über eine eigens entwickelte Internetseite über die neusten Entwicklungen und Entscheidungen" informiert, so Rasch.

Dennoch könne er nicht ausschließen, schon "in naher Zukunft" beim Tapetenhersteller in Bramsche "Kurzarbeit ansagen" zu müssen. Nicht nur Mitarbeiter aus dem gewerblichen Bereich würden davon betroffen sein, auch andere Kollegen, verdeutlicht der Geschäftsführer.

Von Marcus Alwes